Blick in den Hof des Kanten-Guts.
Blick von der Masanserstrasse, stadteinwärts.

Die Stadt Chur wollte letztes Jahr den geschichtsträchtigen Gutshof «Zur Kante» in Masans einer Fahrrad- und Busspur opfern. Um das Haus vor dem Abbruch zu retten, gelangte der Bündner Heimatschutz im März 2016 mit einer Aufsichtsbeschwerde an die Bündner Kantonsregierung. Am 7. Februar 2017 entschied der Kanton zugunsten heimatschützerischer und denkmalpflegerischer Anliegen. Die Stadt Chur muss nun das Prozedere um die Verbreiterung der Masanserstrasse im Abschnitt Weisstorkelgasse – Kreisel Masans neu aufrollen.

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Bündner Heimatschutz
Ludmila Seifert, Geschäftsleiterin
info(at)heimatschutz-gr.ch

Biedermeierliche Bauernhaus-Architektur

Das Haus «Zur Kante» ist der letzte authentisch erhaltene Bauernhof der Biedermeierzeit in der Region. Architekturhistorisch interessant ist vor allem die Überformung eines ehemals barocken Landsitzes des frühen 18. Jahrhunderts in einen bürgerlich geprägten Bauernhof der Zeit nach dem Ende des Ancien Regime. Der Hof ist Teil eines historischen Bauten-Ensembles, das als empfangsartiges «Tor zur Stadt» am Eingang von Chur einen stäftebaulichen Akzent setzt. Er gibt dem östlichen Eingang von Chur eine Anmutung von Geschichte, eine historische Orientierung und Identifikation, ja eben Heimat. Nach dem Willen der Stadt Chur sollte das geschichtsträchtige Haus einer Strassenverbreiterung zum Opfer fallen. Der Bündner Heimatschutz ist der Überzeugung, der Abbruch des Gebäudes sei zur Verbesserung der Verkehrssituation bei der Einfahrt in die Stadt Chur nicht zwingend und setzt sich zusammen mit dem Churer Stadtverein und einer Vielzahl von Privatpersonen für den Erhalt des Hofs «Zur Kante» ein.

Am 24. Juni 2017 lud die Stadt Chur zusammen mit dem Bündner Heimatschutz zum Haus «Zur Kante» (siehe Video unten). Die Bevölkerung sollte sich am Tag der offenen Tür selber ein Bild des Baudenkmals machen. Rund 800 Interessierte folgten der Einladung und zeigten sich mehrheitlich begeistert von der Anlage. Köbi Gantenbein über den Anlass in einem Leserbrief.

Beim «Fall Kante» geht es um Grundsätzliches

Mit dem Abbruch der «Kante» würden ohne Not wichtige kulturelle und identitätsstiftende Werte verloren gehen und Masans ein weiteres Stück an Lebensqualität verlieren. In Chur verschwinden immer mehr bedeutsame Bauzeugen der Vergangenheit. Mit ihrer Zerstörung allerdings wird Stück für Stück die Geschichte aus dem Stadtbild eliminiert. Es liegt im öffentlichen Interesse, das gebaute Erbe nicht nur in der Churer Altstadt, sondern auf dem gesamten Churer Stadtgebiet für nachfolgende Generationen zu erhalten! 

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«Mit der Zerstörung identitätsstiftender Bauwerke allerdings wird Stück für Stück die Geschichte aus dem Stadtbild eliminiert. Das kann nicht in öffentlichem Interesse sein!»

Ludmila Seifert, Geschäftsleiterin Bündner Heimatschutz

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